Archiv für den Monat: Januar 2015

Als Singlefrau alleine Weggehen? Teil 6

Im sechsten Teil ihrer Serie „Als Singlefrau alleine Weggehen?  Geht gar nicht, oder?“ begibt sich unsere Gastbloggerin Partricia ins Rilano No. 6 und Paradiso und damit ab in die Komfortzone:

Nach all den Generationen-Überbrückungserlebnissen während meines Alleine-Weggeh-Experimentes sehnte ich mich irgendwann doch danach, in meine Peergroup einzutauchen. Wer weiß, zwischen meinen Tanzeinsätzen vielleicht sogar jemanden zu treffen und ein wenig anzubandeln, so von Ü35-Angesicht zu Ü35-Angesicht. Es musste doch sicher mehr wie mich geben – Menschen in meinem Alter und in ähnlichen beruflichen/Lebens/Kind-Situationen, die sich nicht vom Ausgehen abhalten lassen wollten.

2015-01-17 20.25.17Nachdem ich mit den klassischen Ü30-Parties in München nicht so viel anfangen kann (mehr dazu in einem späteren Post) ging es an die Club-Recherche. Eine Freundin wies mich irgendwann darauf hin, dass in der Bar/Lounge des Rilano No. 6 am Lenbachplatz jeden 1. Donnerstag im Monat ein After-Work Event stattfindet. Mit DJ Munich. Das konnte nur gut werden. Voller Vorfreude auf das reifere Publikum betrat ich irgendwann gegen 22.00h den sehr lang gezogenen Raum, mit der ebenso langen Bar. Wie ungewohnt – zuvor keine finsteren Türsteher, freier Eintritt, und die freundlichste Garderobendame, die ich in München jemals erlebt habe. Allein für das nette Ambiente hatte es sich schon mal sehr gelohnt.

Die Bar war mäßig voll – und siehe da, ich war geschätzt die Jüngste. Einige schwoften bereits zu dem DJ-Munich-Mix auf der kleinen Tanzfläche am Ende des Raumes. Ich also gleich dazu. So gesittet ging es auf der Tanzfläche zu, dass ich schon fast Sorge hatte, mit meinen Tanzbewegungen zu viel Unruhe zu stiften. Nach etwa einer halben Stunde machte ich ein wenig Pause. Bei all dem schönen Ambiente: Zum Austoben musste ich definitiv noch woanders hin. Rilano No. 6 als perfektes Warm-up (für die anschließende Hiphop-Nacht im P1).

Laughing young women enjoying themselvesAn einem Samstagabend, ebenfalls im letzten Jahr, nahm ich mir das Paradiso vor. Ich hatte im Vorfeld schon viel gehört – dass es DER Club für die etwas reiferen Tanzhungrigen sein sollte. Und ein ziemlicher Baggerschuppen, was ja ganz gut zu meinen Anbandel-Erwägungen passte. Tatsächlich war schon kurz nach 22 Uhr mehr los als wahrscheinlich zur gleichen Zeit in allen anderen Münchner Clubs zusammen. Das habe ich definitiv über das Münchner Nachtleben gelernt: Je älter das Publikum, desto VIEL früher ist was los! Die Tanzfläche war zwar noch leer, aber ein wenig Einschwingen war wegen der unmittelbaren Nähe der Stehtische zur Tanzfläche ziemlich entspannt, und war schnell von zwei gutgelaunten Männern begleitet. Die Musik war gut tanzbar, und nach und nach füllte sich die Tanzfläche. Ich kam mit den netten Männern, die den Stehtisch, an den ich mich gestellt hatte, reserviert hatten, ins Gespräch.

Der Laden füllte sich langsam.

Und füllte sich mehr.

Und füllte sich noch mehr.

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Die tz auf Singlesuche in München

Ihr wolltet euer Gesicht schon immer mal in der Zeitung sehen? Dann ist das euere Chance, denn die tz München sucht ganz kurzfristig Interviewpartner:

„Münchner Singles, aufgepasst! Die tz plant schon für das kommende Wochenende einen Artikel über allein lebende Münchner. Hintergrund. Eine neue Statistik der Stadt belegt, dass 30,5 Prozent aller Münchner in Single-Haushalten leben. Dabei sind mehr als die Hälfte (56%) aller Haushalte auch Singlehaushalte. Ein interessanter Punkt, den wir von der tz gerne näher beleuchten würden. Wir sind also auf der Suche nach Frauen und Männern jeder Altersstufe, die über ihr Leben als Single in München erzählen und sich auch fotografieren lassen möchten. Euer Ansprechpartner ist Johannes Heininger, erreichbar unter Johannes.Heininger@tz.de oder telefonisch unter 089/5306-445.“

Die guten Vorsätze und was aus ihnen geworden ist

Ich glaube es gibt genau zwei Arten von Menschen: Diejenigen, die sich jedes Jahr aufs Neue eine Liste an Dingen vornehmen, die sie nächstes Jahr erreichen wollen und die Sorte von Menschen, die sich jedes Jahr vornimmt, sich nichts vorzunehmen „weil man es ja sowieso nicht einhält“.

Jetzt weiß ich nicht zu welcher Gruppe ihr Euch zählt. Meine Wenigkeit zählt jedoch ganz eindeutig zu der Sorte Mensch, die sich jedes Jahr aufs neue Vorsätze macht.

WeniStock_000015101435_Largen ich mir so meine Liste von 2014 ansehe muss ich ganz bescheiden feststellen, dass ich ganz gut performt habe. Beispielsweise hatte ich mir vorgenommen, mehr auf Parties in den  Münchner Clubs zu gehen, ein Ziel das aus damaliger Sicht extrem hoch gesteckt war, da ich die Abende bevorzugt bei Freunden zuhause verbrachte. Ein anderer Vorsatz war, mich mit mindestens fünf Männern zu verabreden, welche ich online z.B. bei den Münchner Singles kennen gelernt habe. Dieser Vorsatz entstammte der Erkenntnis aus dem Vorjahr, ein solches Date kurz vorher wieder abzusagen, da ich Muffensausen bekam. Kurzum, dieser Punkt sollte mich dazu bringen mutiger zu sein.

Ganz nach dem Motto „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende“ stand dieser Vorsatz zunächst einmal sehr lange nur auf dem Papier. Als ich Mitte Juni (während ich fleißig feiern ging) nochmals zufälligerweise auf diese Liste blickte, stellte ich fest „uh mist -da war doch was“. Es war nahezu Halbzeit – Zeit, dass sich was tut. Also habe ich mein Profil aktualisiert und fleißig gesucht, geschrieben und getroffen. Schlussendlich bin ich auf vier Dates gekommen – nicht ganz 100% aber zumindest in Reichweite. Der Traumprinz war bisher zwar noch nicht dabei. Dafür habe ich allerdings bei jedem dieser Dates mehr über mich und meine Wünsche in Bezug auf den Mann meiner Träume erlangt. Daher habe ich mir auch dieses Jahr wieder Ziele gesteckt, da ich ohne diese Vorsätze vermutlich weniger erreicht hätte. Ich sehe sie auch als einen guten Ansporn, neue Wege zu gehen, die eigene Kuschelzone zu verlassen und Wünsche umzusetzen und nicht weiter davon zu träumen.

Für 2015 habe ich daher eine noch längere Liste mit Vorsätzen, die ich dieses Jahr erreichen will. Es stehen ganz banale Punkte drauf wie ein „Picknick im englischen Garten mit Freunden“ oder einen iStock_000021024087_ExtraSmallSpieleabend organisieren, aber auch anspruchsvollere, wie mindestens einmal pro Wochenende feiern gehen und sechs Dates pro Jahr. Man soll sich ja ambitionierte Ziele stecken, wie es so schön heißt. Das mag sich für manch einen von Euch nicht nach besonders viel anhören – für mich schon. Das Jahr ist ja noch jung – aber ich war in diesem Monat sogar schon zweimal feiern.

Habt ihr Vorsätze für das Jahr 2015? Wie sieht es bei Euch aus mit der Umsetzung? Ist schon wieder alles (Silvester sei Dank) vergessen oder verfolgt ihr sie noch? Was habt ihr Euch vorgenommen?

Als Singlefrau alleine Weggehen? Geht gar nicht. Oder?

Im fünften Teil ihres „Als Singlefrau alleine Weggehen-Experiments“ testet unsere Gastbloggerin Patricia die Clubs Crux und YipYab und erklärt, warum es gut tut, die Älteste zu sein:

„Ok, es gibt noch einen weiteren Grund, warum ich mittlerweile regelmäßig alleine weggehe und Freunde oder Bekannte manchmal lieber abwinken. Ich bekenne mich: Ich tanze am liebsten zu Hiphop – und, um das noch zu toppen, ist selbst Musikgeschmack-kittender Old-School gar nicht mehr mein Ding. Und die New-School-Varianten sind nun mal nicht jedermanns Sache – vor allem in der eher bildungsaffinen, ganzheitlich-orientierten Ü35-Gesellschaft, in der ich mich meist bewege, fast schon ignoriert.

GettyImages_104524006So kommt es, dass die wenigen Münchner Hiphop Clubs und Events mit einem extrem jungen Durchschnittsalter aufwarten. Dass viele der Jungs und Mädels vielleicht halb so alt sind wie ich, ist gar nicht so sehr übertrieben. Und natürlich sind alle verdammt cool in ihren Most-Popular-Cliquen unterwegs. Da kann man sich schon leicht ziemlich alt, allein und nicht ganz so cool vorkommen. Oder gar ziemlich fehl am Platze. Zum Glück ist mein Hiphop-Tanzdrang größer als die Angst vorm fehlplatziert Sein.

Irgendwann im Sommer letzten Jahres nahm ich mir das Crux als ersten reinen Hiphop-Club meines Alleine-Weggeh-Experimentes vor. Durch ein wenig Google-Recherche vor langen Schlangen gewarnt, betrat ich auch diesen Club sehr früh, kurz nach Türöffnung um 23 Uhr. Der massige Türsteher schaute mich etwas musternd an – so früh war er offenbar keine Leute gewohnt, die er nicht kannte, und alleine auftauchende Frauen wahrscheinlich schon gar nicht. Ich schaute zurück, grüßte und fragte nach Garderobe und der richtigen Tür (im selben Gebäude befindet sich auch die Spezlwirtschaft, in der man vor dem Crux-Besuch ordentlich essen und vorglühen kann).

DLaughing young women enjoying themselveser Club, wie zu dieser Zeit üblich, sehr leer. Ich stellte mich erst mal an die raumbreite Bar, bestellte mir einen Drink und beobachtete. Die Musik: total nach meinem Geschmack. Nach etwa einer halben Stunde wurde mir klar, dass ich auch hier wieder die Tanzfläche eröffnen würde müssen, wenn ich mich tatsächlich noch bewegen und zu einer einigermaßen noch annehmbaren Zeit wieder heim wollte. Mir wurde mal wieder – etwas mulmig. Als erste tanzen! In einem Hiphop-Club! Vor all den jungen Menschen! In meinem Kopfkino war ich von potentiellen B-Boys umgeben, die einfach nur noch eine Runde auf cool machten, bevor sie lässig, alle auf einmal, wie in einem Tanzfilm, auf die Tanzfläche stürzen, ihre Skills auspacken und mich ziemlich alt aussehen lassen würden.

In solchen Momenten erinnere ich mich gerne kurz daran, dass mein Leben irgendwann zu Ende sein wird – und ich dann, beim Rückblick auf dem Sterbebett, mit Sicherheit keinen Preis dafür bekomme, dass ich irgendwann in einem Club bei bester Musik nur rumgestanden habe, nur weil sonst noch niemand getanzt hat.

Ich stellte meinen Drink auf einem Stehtisch am Rande der Tanzfläche ab und legte los. DEFINITIV die bessere Alternative zum Stehen, und zu diesen Beats mehr als grandios. Zu meiner Verwunderung passierte mal wieder nichts, also kein Erdbeben, keine laut lachenden B-Boys, keine auf mich zeigenden Zeigefinger.

20131115_214311_crAm Stehtisch standen bald ein paar junge Mädels und als ich eine kurze Trinkpause einlegte, kamen wir ein wenig ins Gespräch. Später traf ich eine von ihnen auf dem Klo, wo wir uns sehr grob über die Musik unterhielten. Sie hätte gerne ein wenig mehr Old-School gehabt, ich war heilfroh, dass es keinen gab. Wahrscheinlich lagen unsere unterschiedlichen Präferenzen daran, dass ich in meinem Leben genug Old-School gehört hatte, während sie noch gar nicht auf der Welt war. Das Old-School-Vintage-Nachholbedürfnis der Millennials halt.

Auf jeden Fall fragte sie irgendwann vorsichtig, ob ich denn alleine da sei. Ich sagte ja und erklärte, dass ich niemand in meinem Bekanntenkreis kenne, der so viel Hiphop aushält. Meine Rechtfertigung hätte es gar nicht gebraucht – sie machte große Augen und fand es cool, dass man das einfach so alleine machen kann, das tanzen Gehen.

Versöhnt mit meinem Alter machte ich mich gegen halb zwei auf den Heimweg. Die Party war da in vollstem Gange –also genau der richtige Zeitpunkt zum Gehen. Zuvor war ich noch sehr nett mit zwei Männern, etwa Mitte Zwanzig, ins Gespräch gekommen – die mich noch dazu überreden wollten, mit ihnen ins 089 weiterzuziehen – weil es im Crux „so jung“ war. Ich widerstand der Versuchung, mich in ein etwa 5% älteres Club-Publikum zu stürzen und schwang mich wie geplant auf mein Fahrrad.

Irgendwann, während ich so durch die Nacht fuhr, fiel mir auf einmal auf, wie verdammt FROH ich über mein doppelt so hohes Alter war.

Denn wie entspannend ist bitte ein Clubbesuch, wenn man keinen Popularitäts-Wettbewerb gewinnen muss, nicht allen süßen Jungs gefallen, niemanden unter den Tisch trinken, nicht aus Angst, irgendwas zu verpassen, bis zum bitteren Ende bleiben muss. Wenn man stattdessen sogar noch Respekt dafür bekommt, dass man überhaupt auftaucht. Wenn man gar nicht mehr cool sein muss, um cool zu sein. Und wenn man ganz nebenbei noch was für die Generationenverständigung tut. Aber vor allem: Wenn man einfach nur eine super Zeit beim Tanzen hat – und sonst nichts.

 

P.S. Das YipYab, ein weiterer reiner Hiphop-Club, als Add-On zu dieser kleinen Crux-Story: Ich hatte mich für einen Samstagabend („Urban Hip Hop Styles“) im Sommer dieses Jahres entschieden, ebenfalls ab kurz nach 23 Uhr. Schöne Location, sehr alleine-weggehtauglich durch Bar an der Tanzfläche. Die Musik war die erste Stunde über nicht so meins (fragt mich bitte nicht welcher Hip Hop Style das war – ich bin schon froh, wenn ich Old- und New-School auseinanderhalten kann). Aber ab etwa kurz nach Mitternacht wurde es dann endlich sehr URBAN. Publikum war gefühlt dann sogar (alters-)gemischter als im Crux und das unaufgeregte Ambiente für einen Solobesuch absolut geeignet.

P.P.S. Gibt es unter euch weitere Hiphop-Fans, liebe Münchner Singles? Ich bin immer dankbar für Event-Hinweise aus der recht unscheinbaren Münchner Hip Hop Szene, würde mich bzgl. der Unscheinbarkeit ZU GERNE eines Besseren belehren lassen. Leave a comment, please!